vSAN-Speicherrichtlinien definieren Speicheranforderungen für virtuelle Maschinen. Diese Richtlinien gewährleisten den erforderlichen Servicelevel für Ihre VMs, da sie festlegen, wie der VM Speicher zugewiesen wird.

VMware Cloud on AWS umfasst zwei vSAN-Datenspeicher, einen für die Verwaltungs-VMs (vsanDatastore) und einen für die Arbeitslast-VMs (WorkloadDatastore). Die beiden Datenspeicher nutzen gemeinsam dieselben zugrundeliegenden Speichergeräte und verbrauchen Speicherplatz vom selben Pool freien Speicherplatzes.

Jeder in vSAN-Datenspeichern bereitgestellten virtuellen Maschine wird mindestens eine VM-Speicherrichtlinie zugewiesen. Speicherrichtlinien können beim Erstellen oder erneuten Konfigurieren von virtuellen Maschinen zugewiesen werden.

Weitere Informationen zu IPSec-VPNs finden Sie im VMware Designlet Richtlinienprofile für verwalteten Speicher.

Verfügbarkeitsattribute für vSAN-VM-Speicherrichtlinien

Ausfalltoleranz von Site
Definiert die Datenredundanzmethode, die von ausgeweiteten Clustern verwendet wird, um einen Site-Ausfall zu behandeln. Dieses Attribut gilt für ausgeweitete Cluster. Für einen Standard-vSAN-Cluster wählen Sie „Keine (Standard-Cluster)“ aus.
Folgende Optionen sind verfügbar:
  • Keine (Standard-Cluster)
  • Spiegelung mit zwei Sites (Stretched Cluster)
  • Keine – Daten auf primärer Site beibehalten (ausgeweiteter Cluster)
  • Keine – Daten auf sekundärer Site beibehalten (ausgeweiteter Cluster)
Zu tolerierende Ausfälle
Definiert die Anzahl von Host- und Gerätefehlern, die eine virtuelle Maschine tolerieren kann. Sie können auf Datenredundanz verzichten oder eine entweder hinsichtlich Leistung (Spiegelung) oder Kapazität (Erasure Coding) optimierte RAID-Konfiguration auswählen.
  • RAID-1 verwendet mehr Festplattenspeicher zur Platzierung der Objektkomponenten, bietet aber bessere Leistung beim Zugriff auf die Objekte.
  • RAID-5/6 (Erasure Coding) benötigt weniger Festplattenspeicher, die Leistung nimmt jedoch ab.
Tabelle 1. RAID-Konfigurationen, FTT und Hostanforderungen
RAID-Konfiguration Zu tolerierende Fehler (Failures to Tolerate – FTT) Mindestens erforderliche Hosts
RAID-1 (Spiegelung) – dies ist die Standardeinstellung. RAID-1 1 2
RAID-5 (Erasure Coding) 1 4
RAID-1 (Spiegelung) 2 5
RAID-6 (Erasure Coding) 2 6
RAID-1 (Spiegelung) 3 7
Wichtig: Die Verwendung einer VM-Speicherrichtlinie mit FTT = 0 (Keine Datenredundanz) wird nicht unterstützt und kann zu Datenverlust führen, wenn ein Fehler auftritt oder die VM nicht mehr reagiert.

Das Richtlinienprofil für verwaltete Speicher bestimmt die anfängliche RAID-Konfiguration eines Clusters. Wenn ein Richtlinienprofil für verwaltete Speicher auf den Cluster angewendet wird, findet eine automatische Aktualisierung der RAID-Konfiguration statt, sobald die Clustergröße geändert wird. Weitere Informationen dazu finden Sie unter VMware Cloud on AWS-Richtlinienprofile für verwaltete Speicher.

Erweiterte Attribute für vSAN-VM-Speicherrichtlinien

Anzahl der Festplatten-Stripes pro Objekt
Mindestanzahl der Kapazitätsgeräte, über die das Striping der einzelnen Replikate eines VM-Objekts erfolgt. Ein höherer Wert als 1 kann zu besserer Leistung führen, bedeutet aber auch eine höhere Beanspruchung der Systemressourcen. Der Standardwert ist 1. Der Höchstwert ist 12. Ändern Sie den Standardwert nur, wenn dies vom VMware Support empfohlen wird.
IOPS-Grenzwert für Objekt
Definiert den IOPS-Grenzwert für ein Objekt, zum Beispiel eine VMDK. IOPS wird als Anzahl der E/A-Vorgänge unter Verwendung einer gewichteten Größe berechnet. Wenn das System die Standardbasisgröße von 32 KB verwendet, stellt ein 64-KB-E/A-Vorgang zwei E/A-Vorgänge dar.

Bei der IOPS-Berechnung werden Lese- und Schreibvorgänge als Äquivalente betrachtet, die Cache-Zugriffsrate und die Aufeinanderfolge bleiben hingegen unberücksichtigt. Wenn der IOPS-Grenzwert einer Festplatte überschritten wird, werden E/A-Vorgänge gedrosselt. Wenn der IOPS-Grenzwert für Objekt auf 0 festgelegt ist, werden keine IOPS-Grenzwerte erzwungen.

vSAN lässt zu, dass das Objekt die Rate für den IOPS-Grenzwert während der ersten Sekunde des Vorgangs oder nach einem gewissen Inaktivitätszeitraum verdoppeln kann.

Reservierter Objektspeicherplatz
Mit dieser Einstellung wird der Prozentsatz der logischen Größe des VMDK-Objekts (Virtual Machine Disk) festgelegt, der beim Bereitstellen von virtuellen Maschinen reserviert (bereitgestellt) werden muss. Der Wert für die Standardreservierung in VMware Cloud on AWS liegt bei 0 % ( Thin Provisioning). Sie können Thick Provisioning festlegen, um Kapazität für vSAN-Schreibvorgänge zu reservieren, die größer als erwartet ausfallen. Die zugrunde liegende VMDK-Struktur bleibt jedoch dieselbe wie in der Thin Provisioning-Konfiguration und entspricht nicht dem lokal verfügbaren Thick-Provision Eager-Zeroed-Bereitstellungsmodell.
Flash Read Cache-Reservierung
Diese Einstellung wird in VMware Cloud on AWS ignoriert. Mit dieser Einstellung wird in hybriden vSAN-Bereitstellungen die Flash-Kapazität angegeben, die als Lesecache reserviert ist.
Objektprüfsumme deaktivieren
Wenn die Option auf Nein festgelegt ist, berechnet das Objekt die Prüfsummeninformationen, um die Integrität der Daten sicherzustellen. Wenn diese Option auf Ja festgelegt ist, berechnet das System keine Prüfsummeninformationen.

vSAN verwendet End-to-End-Prüfsummen, um die Datenintegrität sicherzustellen. Bei diesem Vorgang wird bestätigt, dass es sich bei jeder Kopie einer Datei um die genaue Entsprechung der Quelldatei handelt. Das System prüft die Gültigkeit der Daten während Lese-/Schreibvorgängen und wenn ein Fehler auftritt, repariert vSAN die Daten oder erstellt einen Fehlerbericht.

Wenn ein Prüfsummenkonflikt auftritt, repariert vSAN automatisch die Daten durch Überschreiben der falschen Daten mit den richtigen Daten. Prüfsummenberechnung und Fehlerkorrektur werden im Hintergrund ausgeführt.

Die Standardeinstellung für alle Objekte im Cluster ist Nein. Dies bedeutet, dass Prüfsumme aktiviert ist.

Bereitstellung erzwingen
Wenn die Option auf Ja festgelegt ist, wird das Objekt bereitgestellt, auch wenn die in der Speicherrichtlinie angegebenen Richtlinien Primäre Ebene von zu tolerierenden Fehlern, Anzahl der Festplatten-Stripes pro Objekt und Flash Read Cache-Reservierung vom Datenspeicher nicht erfüllt werden können. Verwenden Sie diesen Parameter in Bootstrapping-Szenarien und bei Ausfällen, wenn keine Standardbereitstellung mehr möglich ist.

Der Standardwert Nein ist für die meisten Produktionsumgebungen akzeptabel. vSAN kann keine virtuelle Maschine bereitstellen, wenn die Richtlinienanforderungen nicht erfüllt werden, erstellt allerdings erfolgreich eine benutzerdefinierte Speicherrichtlinie.

VMware Cloud on AWS-Richtlinienprofile für verwaltete Speicher

Wenn Sie einen Cluster in Ihrem SDDC erstellen, legt VMware Cloud on AWS ein Richtlinienprofil für verwaltete Speicher an, das als Standard auf im Cluster erstellte VMs angewendet wird. Dieses Speicherrichtlinienprofil trägt den Namen „VMC-Arbeitslastspeicherrichtlinie - Clustername“. Die Richtlinieneinstellungen stellen sicher, dass der Cluster die im Service Level Agreement für VMware Cloud on AWS (SLA) beschriebenen Anforderungen erfüllt. Wenn Sie eine VM auf einen anderen Cluster im gleichen SDDC migrieren, müssen Sie auch die VM-Speicherrichtlinie ändern. Siehe Zuweisen von Speicherrichtlinien zu virtuellen Maschinen.

Die Richtlinieneinstellungen für verwalteten Speicher basieren auf der Clusterkonfiguration:

  • Einzelhost-SDDCs werde nicht vom SLA abgedeckt. Sie verwenden eine Richtlinie vom Typ Keine Datenredundanz.
  • Cluster mit einer einzelnen AZ verwenden Thin Provisioning und legen basierend auf der Clustergröße und dem Hostinstanztyp einen Fehlertoleranzwert fest:
    • Cluster mit 2 bis 5 Hosts verwenden 1 Fehler - RAID-1 (Spiegelung).
    • Cluster mit 6 oder mehr Hosts verwenden 2 Fehler - RAID-6 (Löschen-Codierung).
  • Stretched Cluster mit bis zu vier Hosts verwenden Keine Datenredundanz, und die Site-Ausfalltoleranz ist auf Spiegelung mit zwei Sites eingestellt.
  • Stretched Cluster mit 6 oder mehr Hosts verwenden 1 Fehler - RAID-1 (Spiegelung), aber die Site-Ausfalltoleranz ist ebenfalls auf Spiegelung mit zwei Sites eingestellt.

Da die verwaltete Speicherrichtlinie je nach Clustergröße variiert, löst das Hinzufügen oder Entfernen von Hosts eine Neukonfiguration der Speicherrichtlinie aus, wenn die Größe des Clusters so geändert wird, dass eine andere Richtlinie erforderlich ist. Beispiel: Wenn Sie einem Cluster, der fünf Hosts enthält, einen zusätzlichen Host hinzufügen, wird die Speicherrichtlinie für diesen Cluster von 1 Fehler - RAID-1 (Spiegelung) in 2 Fehler - RAID-6 (Erasure Coding) neu konfiguriert. Das Gegenteil tritt ein, wenn der zusätzliche Host entfernt und die Anzahl der Hosts von sechs auf fünf reduziert wird.

Hinweis: Wenn Sie eine Änderung an einem Cluster vornehmen, der eine Neukonfiguration einer Richtlinie für verwalteten Speicher auslöst, wird zur Neukonfiguration vorübergehend zusätzlicher Speicher benötigt. Wenn der Cluster eine Speicherkapazität von nahezu 75 % aufweist, kann dies zu einem EDRS-Hochskalierereignis führen, wodurch ein Host zum Cluster hinzugefügt wird. Nach Abschluss der Neukonfiguration wird der zusätzliche Host unter Umständen nicht von EDRS entfernt. Überprüfen Sie Ihre Cluster nach der Neukonfiguration des Speichers und entfernen Sie gegebenenfalls den zusätzlichen Host.

Bei einem Cluster mit sechs oder mehr Hosts können Sie einen Host nicht entfernen, wenn die Clusterspeicherauslastung mehr als 40 % der Gesamtspeicherkapazität beträgt. Für alle anderen Clustertypen rät VMware dringend davon ab, einen Host zu entfernen, wenn die Clusterspeichernutzung mehr als 40 % der Gesamtspeicherkapazität ausmacht.

Wenn Sie einen oder mehrere Hosts aus einem Cluster entfernen und dadurch eine Neukonfiguration der Richtlinie für verwalteten Speicher ausgelöst wird, muss die Neukonfiguration abgeschlossen werden, bevor der oder die Hosts entfernt werden. Wenn Ihre Arbeitslasten sehr viel Speicher verbrauchen, kann diese Neukonfiguration mehrere Stunden bis Tage dauern. Während dieser Zeit bleiben alle zu entfernenden Hosts nutzbar und verursachen weiterhin Kosten. Nach Abschluss der Neukonfiguration der Speicherrichtlinie werden der oder die Hosts entfernt, wodurch keine weiteren Kosten für die Hostnutzung anfallen.

Hinweis: Bearbeiten Sie nicht die Richtlinien für verwaltete Speicher, die von VMware Cloud on AWS für Ihre Cluster erstellt wurden. Wenn Sie die Richtlinie umbenennen, wird sie nicht mehr von VMware Cloud on AWS verwaltet. Wenn Sie die Einstellungen der Richtlinie für verwaltete Speicher bearbeiten, werden Ihre Änderungen bei der nächsten Neukonfiguration der Speicherrichtlinie überschrieben.

Wenn Sie die Richtlinie für verwalteten Speicher nicht verwenden möchten, können Sie eine eigene Speicherrichtlinie definieren und diese als Standardeinstellung für den Arbeitslastdatenspeicher zuweisen. Weitere Informationen hierzu finden Sie unter https://docs.vmware.com/de/VMware-vSphere/7.0/com.vmware.vsphere.vsan.doc/GUID-F52F0AE9-FB31-4236-B566-D9610B14C670.html.

VM-Vorlagen und Richtlinien für verwaltete Speicher

Wenn eine VM-Vorlage mit einer von VMware Cloud on AWS Richtlinien für verwaltete Speicher verknüpft ist, wird die Richtlinie der Vorlage bei einer Neukonfiguration der Clusterrichtlinie nicht automatisch aktualisiert. Nach der Neukonfiguration der Speicherrichtlinie des Clusters lautet der Konformitätsstatus der VM-Vorlage „Veraltet“. Um den Status der Vorlagenrichtlinie auf „Kompatibel“ festzulegen, müssen Sie die Vorlage in eine VM konvertieren, die VM-Speicherrichtlinie erneut anwenden und die VM dann wieder in eine Vorlage konvertieren.

Wenn Sie eine VM anhand einer Vorlage bereitstellen, empfiehlt VMware die Auswahl von Datenspeicherstandardwert für die VM-Speicherrichtlinie, um sicherzustellen, dass die virtuelle Maschine mit der verwalteten Speicherrichtlinie des aktuellen Clusters bereitgestellt wird.

Speicherrichtlinien und SLA-Anforderungen

Beim Arbeiten mit VM-Speicherrichtlinien ist es wichtig zu verstehen, wie sich diese auf den Verbrauch von Speicherkapazität im vSAN-Cluster auswirken und ob sie die Anforderungen erfüllen, die in der Vereinbarung zum Servicelevel für VMware Cloud on AWS (der SLA) definiert sind.

Die Richtlinie für verwaltete Speicher wird anfänglich basierend auf der Anzahl der Hosts im Cluster konfiguriert. Beispielsweise verwendet ein aus drei Hosts bestehender Cluster standardmäßig FTT=1 mit der RAID-1-Spiegelungsrichtlinie. Cluster mit mehr als sechs Hosts in einer Verfügbarkeitszone verwenden standardmäßig 2 Fehler - RAID-6 (Erasure Coding). Sie können benutzerdefinierte Richtlinien erstellen, die die Datenverfügbarkeit mit den Anforderungen Ihrer zugrunde liegenden Daten ausrichten, aber Arbeitslast-VMs mit Speicherrichtlinien, die die in der Vereinbarung zum Servicelevel aufgeführten Anforderungen nicht erfüllen, sind möglicherweise nicht für SLA-Guthaben qualifiziert. Die VM-Speicherrichtlinie muss mit der entsprechenden Schutzebene konfiguriert werden. Flüchtige Arbeitslasten verwenden möglicherweise die Richtlinie „keine Datenredundanz“, um Kapazität zu sparen, und verzichten auf SLA-Garantien der Verfügbarkeit.

Wichtig:

Beim vertikalen Hochskalieren eines Clusters von fünf auf sechs Hosts muss die Fehlertoleranz für die zugrunde liegende Richtlinie auf 2 Fehler - RAID-6 (Erasure Coding) oder 2 Fehler - RAID-6 (Spiegelung) aktualisiert werden, um den größeren Fehlerpool auszugleichen. Cluster, die die Richtlinie für verwaltete Speicher verwenden, werden automatisch neu konfiguriert. Alle Cluster, die benutzerdefinierte Richtlinien verwenden, müssen jedoch manuell aktualisiert werden. Die fortgesetzte Verwendung einer Fehlertoleranz von 1 für diese Hostkonfiguration bedeutet, dass VMware die Verfügbarkeit gemäß den Anleitungen zur Servicedefinition nicht garantieren kann.

VMware überprüft regelmäßig Ihre VM-Speicherrichtlinien auf die Einhaltung der SLA-Anforderungen und sendet Benachrichtigungen, wenn nicht konforme Richtlinien vorhanden sind.

Weitere Informationen zum Entwurf und zur Dimensionierung von Speicherrichtlinien finden Sie in der Dokumentation Verwalten von VMware vSAN.