Arbeitsspeicher (RAM) ist für Server kostspieliger als für PCs. Da die Arbeitsspeicherkosten einen hohen Prozentsatz der Gesamtkosten für Serverhardware und der erforderlichen Gesamtspeicherkapazität ausmachen, ist das überlegte Zuweisen von Arbeitsspeicher für die Planung Ihrer Desktop-Umgebung besonders wichtig.

Wenn die Arbeitsspeicherzuweisung zu niedrig ist, kann die Speicher-E/A davon beeinträchtigt werden, da in zu großem Umfang Windows-Auslagerungsdateien verwendet werden. Wenn die Arbeitsspeicherzuweisung zu hoch ist, kann die Speicherkapazität beeinträchtigt werden, da die Auslagerungsdatei im Gastbetriebssystem sowie die Auslagerungs- und Anhaltedatei für die einzelnen virtuellen Maschinen zu groß werden.

Auswirkungen der Arbeitsspeichergröße auf die Systemleistung

Vermeiden Sie bei der Zuteilung von Arbeitsspeicher allzu konservative Einstellungen. Berücksichtigen Sie Folgendes:

  • Eine unzureichende Arbeitsspeicherzuweisung kann übermäßig viele Windows-Auslagerungsvorgänge verursachen, wodurch E/A-Vorgänge generiert werden, die zu signifikanten Leistungseinbußen und einer Steigerung der Speicher-E/A-Last führen.

  • VMware ESXi unterstützt hoch entwickelte Algorithmen für das Management von Arbeitsspeicherressourcen, z. B. die transparente gemeinsame Seitennutzung und das Anpassen der Größe des Gast-Arbeitsspeichers zur Laufzeit (das sog. Memory Ballooning), wodurch der zur Unterstützung einer gegebenen Arbeitsspeicherzuweisung zu einem Gastsystem erforderliche physische Arbeitsspeicher beträchtlich verringert werden kann. Auch wenn beispielsweise 2 GB einem virtuellen Desktop zugewiesen werden, wird nur ein Bruchteil dieser Menge im physischen Arbeitsspeicher belegt.

  • Da für die Leistung virtueller Desktops schnelle Antwortzeiten sehr wichtig sind, legen Sie auf dem ESXi-Host für die Einstellungen zur Arbeitsspeicherreservierung Werte ungleich null fest. Das Reservieren einer bestimmten Arbeitsspeichermenge stellt sicher, dass verwendete Desktops im Leerlauf nie vollständig auf die Festplatte ausgelagert werden. Außerdem kann dadurch der von ESXi-Auslagerungsdateien beanspruchte Speicherplatz verringert werden. Höhere Reservierungseinstellungen wirken sich jedoch auf die Fähigkeit aus, Arbeitsspeicher auf einem ESXi-Host mehrfach zu vergeben, und können vMotion-Wartungsvorgänge beeinträchtigen.

Auswirkungen der Arbeitsspeichergröße auf die Speicherung

Die Größe des Arbeitsspeichers, den Sie einer virtuellen Maschine zuweisen, steht in direktem Zusammenhang mit der Größe bestimmter Dateien, welche die virtuelle Maschine verwendet. Verwenden Sie für den Zugriff auf die Dateien in der folgenden Liste das Windows-Gastbetriebssystem, um die Windows-Auslagerungs- und -Ruhezustandsdateien zu finden, und verwenden Sie das Dateisystem des ESXi-Hosts für die Suche nach den ESXi-Auslagerungs- und -Anhaltedateien.

Windows-Auslagerungsdatei

Die Größe dieser Datei beträgt standardmäßig das 1,5-fache des Gastarbeitsspeichers. Diese Datei, deren Pfad standardmäßig C:\pagefile.sys lautet, bewirkt, dass per Thin Provisioning bereitgestellter Speicher anwächst, da häufig darauf zugegriffen wird. Bei View Composer-Linked-Clone-VMs können die Auslagerungsdatei und die temporären Dateien auf eine separate virtuelle Festplatte umgeleitet werden, die beim Ausschalten der virtuellen Maschinen gelöscht wird. Die Umleitung von Auslagerungsdateien auf temporäre Festplatten spart Speicherplatz, verlangsamt das Anwachsen verknüpfter Klone und kann außerdem die Leistung verbessern. Wenngleich Sie die Größe unter Windows anpassen können, kann sich dies negativ auf die Anwendungsleistung auswirken.

Bei Instant Clones werden alle Auslagerungsdateien und temporären Dateien von Gastbetriebssystemen beim Abmeldevorgang automatisch gelöscht, sodass sie nicht sehr groß werden können. Jedes Mal, wenn sich ein Benutzer von einem Instant Clone abmeldet, löscht View den Clone, stellt dann auf der Grundlage des neuesten für den Pool verfügbaren Betriebssystem-Image einen anderen Instant Clone bereit und schaltet diesen ein.

Windows-Ruhezustandsdatei für Laptops

Die Größe diese Datei kann 100 % des Gastarbeitsspeichers entsprechen. Sie können diese Datei bedenkenlos löschen, da sie in View-Bereitstellungen nicht benötigt wird.

ESXi-Auslagerungsdatei

Diese Datei mit der Erweiterung .vswp wird angelegt, wenn Sie weniger als 100 % des Arbeitsspeichers einer virtuellen Maschine reservieren. Die Größe dieser Auslagerungsdatei entspricht dem nicht reservierten Anteil des Gastarbeitsspeichers. Wenn beispielsweise 50 % des Gastarbeitsspeichers reserviert sind und dieser eine Größe von 2 GB hat, ist die ESXi-Auslagerungsdatei 1 GB groß. Diese Datei kann im lokalen Datenspeicher auf dem ESXi-Host oder -Cluster gespeichert werden.

ESXi-Anhaltedatei

Diese Datei mit der Erweiterung .vmss wird erstellt, wenn Sie die Abmeldungsrichtlinie für den Desktop-Pool so festlegen, dass der virtuelle Desktop angehalten wird, wenn sich der Benutzer abmeldet. Die Größe dieser Datei entspricht der Größe des Gastarbeitsspeichers.

Festlegen der Arbeitsspeichergröße für bestimmte Monitorkonfigurationen bei Verwendung von PCoIP oder Blast Extreme

Neben dem Systemarbeitsspeicher benötigt eine virtuelle Maschine auch einen gewissen kleineren Umfang an Arbeitsspeicher auf dem ESXi-Host für Video-Overheads. Diese Anforderung an VRAM-Größe hängt von der jeweiligen Bildschirmauflösung und der Anzahl der für den Endbenutzer konfigurierten Bildschirme ab. 1 zeigt die Menge des Arbeitsspeicher-Overheads an, der für verschiedene Konfigurationen benötigt wird. Die in den Spalten angegebenen Arbeitsspeicherwerte sind zusätzlich zum Arbeitsspeicher zu verstehen, der für andere PCoIP- oder Blast Extreme-Funktionen benötigt wird.

Tabelle 1. PCoIP- oder Blast Extreme-Clientanzeige-Overhead

Standardanzeigeauflösung

Breite (in Pixel)

Höhe (in Pixel)

Overhead bei einem Monitor

Overhead bei zwei Monitoren

Overhead bei drei Monitoren

Overhead bei vier Monitoren

VGA

640

480

1,20 MB

3,20 MB

4,80 MB

5,60 MB

WXGA

1280

800

4,00 MB

12,50 MB

18,75 MB

25,00 MB

1080p

1920

1080

8,00 MB

25,40 MB

38,00 MB

50,60 MB

WQXGA

2560

1600

16,00 MB

60,00 MB

84,80 MB

109,60 MB

UHD (4K)

3840

2160

32,00 MB

78,00 MB

124,00 MB

Nicht unterstützt

Zur Berechnung der Systemanforderungen müssen die VRAM-Werte zu den Werten für den grundlegenden Arbeitsspeicher der virtuellen Maschine hinzu gezählt werden. Der Speicher-Overhead wird automatisch berechnet und konfiguriert, wenn Sie in View Administrator die maximale Anzahl an Monitoren und die Bildschirmauflösung festlegen.

Wenn Sie die 3D-Rendern-Funktion verwenden und Soft3D oder vSGA auswählen, können Sie unter Verwendung der zusätzlich benötigten VRAM-Werte in einem View Administrator-Steuerelement zur Konfiguration von VRAM für 3D-Gäste eine erneute Berechnung durchführen. Alternativ und für andere Arten der Grafikbeschleunigung als Soft3D und vSGA können Sie die genaue VRAM-Speichergröße angeben, wenn Sie VRAM mithilfe des vSphere Client verwalten.

Standardmäßig entspricht die Konfiguration mit mehreren Monitoren der Hosttopologie. Für mehr als zwei Monitore wird ein zusätzlicher Overhead im Voraus berechnet, damit weitere Topologie-Schemata möglich sind. Wenn beim Start der Remote-Desktop-Sitzung ein schwarzer Bildschirm angezeigt wird, prüfen Sie, ob die Werte für die Anzahl der Monitore und die Bildschirmauflösung, die in View Administrator festgelegt sind, dem Hostsystem entsprechen. Oder Sie passen die Größe des Speichers manuell an, indem Sie in View Administrator Verwaltung mithilfe des vSphere-Client wählen und dann den Gesamtwert für den Videospeicher auf den Höchstwert 128 MB festlegen.

Bestimmen der Arbeitsspeichergröße für bestimmte Arbeitslasten und Betriebssysteme

Da die Größe des erforderlichen Arbeitsspeichers je nach Nutzertyp stark variieren kann, führen viele Unternehmen eine Pilotphase durch, um die ordnungsgemäße Einstellung für die verschiedene Nutzergruppen in ihrem Unternehmen zu bestimmen.

Ein guter Ausgangspunkt ist, 1 GB für 32 Bit-Desktops unter Windows 7 oder höher sowie 2 GB für 64 Bit-Desktops unter Windows 7 oder höher zuzuteilen. Wenn Sie eine der hardwarebeschleunigten Grafikfunktionen für 3D-Anwendungen nutzen möchten, empfiehlt VMware zwei virtuelle CPUs und 4 GB RAM. Überwachen Sie in der Pilotphase die Leistung und den durch verschiedene Nutzertypen belegten Speicherplatz, und nehmen Sie so lange Anpassungen vor, bis Sie die optimale Einstellung für jede Nutzergruppe ermittelt haben.