Wenn ein Host ausfällt und seine virtuellen Maschinen neu gestartet werden müssen, können Sie mit der Einstellung für die VM-Neustartpriorität festlegen, in welcher Reihenfolge dies erfolgt. Mit der Einstellung für die Hostisolierungsreaktion können Sie auch konfigurieren, wie vSphere HA reagiert, wenn Hosts die Verwaltungsnetzwerkkonnektivität mit anderen Hosts verlieren.

Diese Einstellungen gelten für alle virtuellen Maschinen im Cluster im Falle eines Hostausfalls oder einer Hostisolation. Sie können zudem Ausnahmen für bestimmte virtuelle Maschinen konfigurieren. Weitere Informationen hierzu finden Sie unter Anpassen einer einzelnen virtuellen Maschine im vSphere Web Client.

VM-Neustartpriorität

Mithilfe der VM-Neustartpriorität legen Sie die relative Reihenfolge fest, in der virtuelle Maschinen nach einem Hostausfall auf neuen Hosts platziert werden. Auf diese Weise wird die virtuelle Maschine mit der höchsten Priorität zuerst und die mit der niedrigsten zuletzt gestartet, bis alle virtuellen Maschinen neu gestartet sind oder keine Clusterressourcen mehr zur Verfügung stehen. Wenn eine virtuelle Maschine mit hoher Priorität nicht eingeschaltet werden kann, versucht vSphere HA, virtuelle Maschinen niedrigerer Priorität einzuschalten. Daher kann die VM-Neustartpriorität nicht dazu verwendet werden, eine Neustartpriorität für eine Anwendung mit mehreren virtuellen Maschinen zu erzwingen. Wenn die Anzahl der Hostausfälle den von der Zugangssteuerung festgelegten Schwellenwert übersteigt, werden die virtuellen Maschinen niedrigerer Priorität möglicherweise erst dann neu gestartet, wenn mehr Ressourcen zur Verfügung stehen. Virtuelle Maschinen werden auf den Failover-Hosts neu gestartet, falls angegeben.

Die Werte für diese Einstellung sind: Deaktiviert, Niedrig, Mittel (Standardeinstellung) und Hoch. Wenn Sie „Deaktiviert“ wählen, wird vSphere HA für die virtuelle Maschine deaktiviert, was bedeutet, dass sie bei einem Ausfall ihres Hosts nicht auf anderen ESXi-Hosts neu gestartet wird. Die Einstellung „Deaktiviert“ wird von der VM/Anwendungsüberwachungsfunktion von vSphere HA ignoriert, da diese Funktion virtuelle Maschinen vor Ausfällen der Betriebssystem-Ebene und nicht vor Ausfällen virtueller Maschinen schützt. Wenn ein Fehler auf Betriebssystemebene auftritt, wird das Betriebssystem von vSphere HA neu gestartet und die virtuelle Maschine wird weiterhin auf demselben Host ausgeführt. Diese Einstellung kann für einzelne virtuelle Maschinen geändert werden.

Anmerkung:

Das Zurücksetzen einer virtuellen Maschine führt zu einem harten Neustart des Gastbetriebssystems, aber nicht zu einem Ein-/Ausschalten der virtuellen Maschine.

Die Neustartprioritätseinstellungen für virtuelle Maschinen sind je nach Benutzererfordnissen unterschiedlich. Weisen Sie den virtuellen Maschinen, die die wichtigsten Dienste verrichten, eine höhere Neustartpriorität zu.

Im Falle einer Multi-Tier-Anwendung könnten Sie beispielsweise die Prioritäten abhängig von den auf den virtuellen Maschinen gehosteten Funktionen festlegen:

  • Hoch Datenbankserver, die Daten für Anwendungen bereitstellen.

  • Mittel Anwendungsserver, die in der Datenbank Daten konsumieren und die Ergebnisse auf Webseiten präsentieren.

  • Niedrig Webserver, die Benutzeranforderungen empfangen, Abfragen an Anwendungsserver übertragen und die Ergebnisse an die Benutzer zurücksenden.

Hostisolierungsreaktion

Die Hostisolierungsreaktion legt fest, was geschieht, wenn die Verbindungen des Hosts in einem vSphere HA-Cluster zum Verwaltungsnetzwerk verloren gehen, dieser aber weiter ausgeführt wird. Mit der Isolierungsreaktion können Sie vSphere HA so konfigurieren, dass virtuelle Maschinen, die auf einem isolierten Host ausgeführt werden, ausgeschaltet und auf einem nicht isolierten Host neu gestartet werden. Hostisolierungsreaktionen setzen voraus, dass der Hostüberwachungsstatus aktiviert ist. Wenn der Hostüberwachungsstatus deaktiviert ist, werden die Hostisolierungsreaktionen ebenfalls angehalten. Ein Host stellt fest, dass er isoliert ist, wenn er nicht mit den Agenten, die auf anderen Hosts ausgeführt werden, kommunizieren und seine Isolierungsadressen nicht anpingen kann. Tritt dies ein, führt der Host seine Isolierungsreaktion aus. Die Antworten lauten: „Eingeschaltet lassen“ (Standard), „Ausschalten, dann Failover“ und „Herunterfahren, dann Failover“. Diese Eigenschaft kann für einzelne virtuelle Maschinen geändert werden.

Anmerkung:

Wenn eine virtuelle Maschine eine Neustartprioritätseinstellung „Deaktiviert“ hat, wird keine Hostisolierungsreaktion vorgenommen.

Sie müssen zum Verwenden der Einstellung „VM herunterfahren“ VMware Tools auf dem Gastbetriebssystem der virtuellen Maschine installieren. Das Herunterfahren der virtuellen Maschine hat den Vorteil, dass ihr Zustand beibehalten wird. Es ist besser, die virtuelle Maschine herunterzufahren als sie auszuschalten, da beim Ausschalten die neuesten Änderungen nicht auf die Festplatte geschrieben und Transaktionen nicht übernommen werden. Virtuelle Maschinen, die heruntergefahren werden, benötigen während der Zeit des Herunterfahrens länger für ein Failover. Virtuelle Maschinen, die nicht innerhalb von 300 Sekunden oder in dem Zeitraum, der in dem erweiterten Attribut „das.isolationShutdownTimeout“ in Sekunden angegeben ist, heruntergefahren werden, werden ausgeschaltet.

Anmerkung:

Nach dem Erstellen eines vSphere HA-Clusters können Sie für bestimmte virtuelle Maschinen die Standardclustereinstellungen „Neustartpriorität“ und „Isolierungsreaktion“ überschreiben. Dies ist nützlich bei virtuellen Maschinen, die zu speziellen Zwecken eingesetzt werden. Virtuelle Maschinen, die beispielsweise Infrastrukturdienste wie DNS oder DHCP bereitstellen, müssen möglicherweise vor anderen virtuellen Maschinen im Cluster eingeschaltet werden.

Wenn die Isolierungsreaktion eines Hosts deaktiviert ist (d. h., virtuelle Maschinen bleiben bei Isolation eingeschaltet) und der Host weder Zugriff auf das Verwaltungs- noch auf das Speichernetzwerk hat, kann eine Split-Brain-Situation eintreten. In diesem Fall verliert der isolierte Host die Festplattensperren und für die virtuellen Maschinen wird ein Failover auf einen anderen Host durchgeführt, obwohl die Originalinstanzen der virtuellen Maschinen weiter auf dem isolierten Host ausgeführt werden. Wenn der Host wieder auf den Datenspeicher der virtuellen Maschine zugreifen kann, gibt es zwei Kopien der virtuellen Maschinen, obwohl die Kopie auf dem ursprünglich isolierten Host keinen Zugriff auf die VMDK-Dateien hat und eine Beschädigung von Daten verhindert wird.

Um dieses Problem zu beheben, generiert ESXi eine Frage auf der virtuellen Maschine, die die Festplattensperren verloren hat, für den Fall, dass der Host die Isolation verlässt und feststellt, dass er die Festplattensperren nicht mehr wiederherstellen kann. vSphere HA beantwortet diese Frage automatisch, weshalb sich die Instanz der virtuellen Maschine, die die Festplattensperren verloren hat, ausschalten kann. Übrig bleibt die Instanz, die über Festplattensperren verfügt.